Wie funktioniert Gestalttherapie?

In der Gestalttherapie wird die Aufmerksamkeit von abstraktem "Sich-Über-Die-Realität-Gedanken-Machen" hin zu einem bewussten Wahrnehmen dessen, was gegenwärtig und wirklich ist, gelenkt.

Die Realität zu akzeptieren, ja, sie zu umarmen, versetzt uns in die Lage lebendig zu sein, zu fühlen und zu entscheiden, was wir als nächstes tun wollen. Es ist unmöglich, die Realität unseren Vorstellungen anzupassen. "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf"...  Also prüfen wir doch lieber unsere Vorstellungen, die stehen nämlich meist davor, vor dem, wie es wirklich ist. Sie versperren uns die Sicht auf das Hier und Jetzt und die Schönheit darin. Alte Überzeugungen und Glaubenssätze, die vielleicht einmal hilfreich waren , können wir uns bewusst machen und sie überdenken. Vielleicht ist es an der Zeit für neue und hilfreichere Einstellungen, die uns unterstützen zu vertrauen und Verantwortung zu übernehmen. Vor allem für uns selbst ! 

Es geht darum Erfahrungen zu machen, Bewusstheit, Gegenwärtigkeit und Präsenz zu üben. Mit anderen Worten: das Sein im Hier und Jetzt zu erleben, bzw. dem Widerstand dagegen oder den Kontaktunterbrechungen auf den Grund zu gehen, sie nicht zu überspringen, sondern sie bewusst zu erleben und so ihren Wert, den sie zweifellos einmal hatten, zu erkennen und anzuerkennen. Im bewussten Erleben von verdrängten Gefühlen und Bedürfnissen, verlieren diese ihren Schrecken. Der Frieden, der dann entsteht, ebnet den Weg zum experimentellen Neugestalten der bisher konflikthaften Lebensbereiche.

Die Gestalttherapie erlaubt eine große methodische Vielfalt.

Grundsätzlich findet sie in einer Atmosphäre achtsamer Gegenwärtigkeit statt, das heißt im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit spielt nur dann eine Rolle, wenn sie eine "Kontaktunterbrechung" in der Gegenwart verursacht. Der Kontakt steht im Mittelpunkt - Kontakt zu dir, zu deinem Körper, deinen Emotionen und Gedanken und zu deiner Umwelt. Wie machst du Kontakt und wie oder wann unterbrichst du ihn? Die Frage nach dem "Wie" ist dabei meist wichtiger als die, nach dem "Warum". Wenn du dir bewusst wirst, wie du etwas tust oder verhinderst, dann kannst du vielleicht andere Verhaltensweisen ausprobieren oder zulassen.

Um deine unbewussten Denkprozesse zu erkennen, kann dein Körper dir ein ehrlicher Spiegel sein.

Frage dich :" bin ich entspannt ?" oder "Was geht im Moment in mir vor ?". Erlaube dem gegenwärtigen Moment zu sein. Analysiere nicht, beobachte einfach. Richte deine Aufmerksamkeit nach innen. Fühle die Energie deiner Emotion. Oder lasse beispielsweise deine müden Augen oder deine verspannten Schultern sprechen.

"Es ist, was ist."

"Was du hast und nicht haben willst, bleibt."


Beobachte deine Emotionen und höre deinen Gedanken zu. Erlaube ihnen da zu sein, ohne dass sie dich kontrollieren. Dann hast du ein Gefühl, aber das Gefühl hat nicht dich. Vielleicht stellst du fest, dass du dich anstrengst um etwas nicht zu fühlen. Wie strengst du dich an? Und was wäre, wenn du dem Gefühl, das da gefühlt werden möchte Einlass gewährst? Sei mutig: lad es ein. Versuch es zu ergründen, zu erforschen, wie genau fühlt es sich an? Denn, was uns am meisten behindert ist: die Angst vor der Angst.

Eine Emotion ist ein energetisch aufgeladenes Gedankenmuster. Das bedeutet, du hast bestimmte (unbewusste) Gedanken zu bestimmten Situationen und daraufhin entsteht ein Gefühl, nicht umgekehrt. Vielleicht hast du schon einmal erlebt, dass sich ein Gefühl veränderte, als du die Situation anders bewerten konntest oder es dir gelang, sie aus einem anderen Blickwinkel oder in einem anderen Licht zu betrachten.Oder du bist schließlich einem Impuls gefolgt und so konnte etwas Neues geschehen.

"Verantwortung beginnt mit der Bereitschaft anzuerkennen, dass ich AutorIn / UrheberIn meines Erlebens bin."     (Henning von der Osten)




Selbsterfahrung in der Gruppe


Seit Januar findet unsere neue Gruppe statt. Sie ist mit 12 Teilnehmern zur Zeit voll. Wenn Sie sich für Gestalttherapie in einer Gruppe interessieren, melden Sie sich trotzdem gerne ! Es wird sicher wieder eine Gelegenheit zum Einstieg geben.
Sie wird geleitet von Helmut Radke und mir.